REISETAGEBUCH KAPITEL FÜNF.

Sechs Wochen sind wir nun schon in Neuseeland unterwegs. Kann mir mal jemand sagen wohin die Zeit rennt?
Schon längst wollte ich Euch einen neuen Blogpost zusammenbasteln. Aber jetzt heute endlich!


Man hört ja immer wie schön Neuseeland sein soll, wie atemberaubend Natur und Landschaft sein sollen und das es ein unglaublich vielfältiges Land ist- und genau so ist es auch!!
Ich bin so ziemlich dauerhaft schockverliebt. Kann immer nur staunen und versuche es irgendwie in mich aufzusaugen, um später nicht eine einzige Impression zu vergessen.

                       
Hier fühlt sich auch alles irgendwie vertraut an. Vielleicht ein bisschen wie Zuhause, weil es so grün ist und es viele Nadelbäume gibt.
Die Einheimischen sind unglaublich nett. Sie sind, ebenso wie die Australier, immer sehr interessiert an unseren Plänen und geben uns wertvolle Tipps.
Außerdem kann man hier auch auf Farmen und bei Privatleuten übernachten. Viele stellen einfach ihre Hofeinfahrt oder ihren Garten zur Verfügung und so konnten wir schon so viele tolle und interessante Einblicke in das Leben der Neuseeländer bekommen. 
Denn sind wir mal ehrlich, auf einem Campingplatz trifft man zwar andere Reisende, mit denen man sich austauschen kann, aber über das Leben der Leute, dass sich hier abspielt, erfährt man nicht wirklich viel.

Wir hatten bisher so herzliche Gastgeber, meistens ist sogar "open home" angesagt. Was bedeutet, das die Haustüre immer aufgeschlossen ist. Man soll es sich gemütlich machen, kann das Bad und die Küche im Haus mitbenutzen oder hat sogar einen kleinen separaten Bereich für sich. Einfach genial.
Auf einer Schaffarm mit 1600 Schafen durften wir helfen die Schafe in ihren Stall zu treiben, durften sie anfassen und die geschorene Wolle, die verkauft wird, anfassen. Dabei haben wir viel über das Leben auf einer Farm, die Arbeiten und die Organisation erfahren. 
Bei einer Familie auf der Banks Peninsula durften wir mit an den Strand fahren, um den Sonnenuntergang anzuschauen und Benni durfte danach mit dem Allradauto zurück zum Haus fahren. Was für ein Erlebnis.
Bei einem älteren Ehepaar auf einer großen Farm haben wir den ganzen Abend mit deren 2-jährigem und super wilden Hund gespielt und gekuschelt und bei einem anderen ganz, ganz lieben 
Ehepaar auf der Nordinsel haben wir super viel über die Selbstversorgung, das Kompostieren, Anpflanzen und Ernten gelernt, haben die Pfirsich- und Avocadobäume im Garten bestaunt und
konnten am nächsten Morgen mit den beiden zusammen frühstücken, natürlich gab es ausschließlich Produkte aus eigenem Anbau. Das war der Knaller. Ihr hättet diesen Garten sehen sollen...
Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß und man lernt so viel dazu und wird inspiriert.

Natürlich sitzen wir auch hier nicht rum, sondern haben schon wieder viele schöne Wanderungen unternommen.
Jede für sich einfach wundervoll und schlicht weg atemberaubend.

Es gibt bisher zwei die ich Euch besonders ans Herz legen möchte, als Tipp von mir an Euch, falls Ihr mal nach Neuseeland reist.

Tongariro Alpine Crossing: 

Diese Wanderung umfasst eine Strecke von 19,4 Kilometern, bei der man die unglaubliche Kulisse einer Vulkanlandschaft überquert.
Eine gewisse Grundfitness sollte man mitbringen, außerdem ein gutes Vesper und mindestens 2 Liter Wasser. Wir haben dafür 6 Stunden und 40 Minuten gebraucht, mit längeren Pausen um Fotos zu machen usw.. Allerdings verfliegt die Zeit dort oben und beim Anblick der Landschaft kann man seinen eigenen Augen kaum trauen. Der Hammer!!
Also jeder Schritt lohnt sich sehr und nicht umsonst ist diese Wanderung eine der schönsten Tageswanderungen der Welt!!















Mueller Hut: 

Bei unserem Aufenthalt im Mount Cook National Park hatten wir riesiges Glück mit dem Wetter! Benni ist ja bei uns der Planer und hat unsere Route ein paar Tage vorher so getaktet das wir ein sonniges Wetterfenster hatten. Jippieee!! Oft hüllt sich der Gipfel des Mount Cook ( 3724 Meter ) nämlich in Nebel und wir hatten das große Glück ihn zwei Tage in seiner vollen Pracht sehen zu können. Null Wolken am Himmel und strahlender Sonnenschein.
Also konnten wir auch wie geplant den Hike zur Mueller Hut in Angriff nehmen.
Ja, es ist verdammt anstrengend. Man steigt zuerst eine Stunde lang nur Stufen hinauf, ich glaube es sind 2000. Und wenn man dann denkt das war schon krass, geht es über Geröll und Felsen noch steiler bergauf. Insgesamt hat man 1000 Höhenmeter zu bewältigen und auch hier lohnt sich jeder einzelne Schritt! Die Ausblicke auf den Mount Cook, auf die Gletscher, die Gletscherseen und all die umliegenden Berge ist einfach der Wahnsinn!! 
Oben angekommen bei der Hütte, hat man einen tollen Blick auf die Landschaft, die Felsen, es sieht aus wie auf einem anderen Planeten.
Immer wieder hört man das Donnern der Gerölls, dass sich irgendwo an den Abhängen löst und sich seinen Weg nach unten bahnt.
Wirklich spektakulär, anders kann ich es nicht sagen. Man muss es erleben, es fühlen!
Die 1000 Höhenmeter gilt es dann auch wieder abzusteigen und zwar auf gleichem Weg. Ich sage Euch, am nächsten Tag hatte ich den Muskelkater meines Lebens und war zugleich einfach nur erfüllt von diesen Eindrücken.
Auch hier, gutes Vesper und viel Wasser nicht vergessen. Und vorher das Wetter checken! Und wir waren 5 Stunden unterwegs.










                 
Überhaupt hatten wir eine recht abenteuerliche Zeit im Mount Cook National Park, denn 
auf dem Campground dort gibt es KEINE Duschen. Man hat einen herrlichen Ausblick, aber 
KEINE Duschen! Das ist natürlich eher schlecht, wenn man nach dem Wandern komplett verschwitzt ist. Es war der perfekte Zeitpunkt um mal unsere Solardusche auszuprobieren. Solardusche, ein 20 Liter Beutel mit einem Schlauch und einem winzigen lustigen "Brausekopf" dran.
Wir haben also den Beutel mit Wasser gefüllt und in die Sonne gelegt während wir unterwegs waren, haben dann aber erst noch gekocht und gegessen und naja, so ein Beutel hält eben nicht ewig warm.
Es war dann auch schon fast dunkel, also wir uns gegenseitig, versteckt hinter einem großen Felsen und bei ca. 10 Grad Außentemperatur mit kaltem Wasser abgeduscht haben. Herrlich! Es war furchtbar und witzig. Gänsehaut kennt keine Grenzen! Aber es war auf jeden Fall ein Abenteuer!



Der krasseste Moment war dann aber auf jeden Fall unsere Abreise. Denn als wir beim Campground losgefahren sind und nochmal zurück geschaut haben, hat sich der Gipfel tatsächlich wieder in Nebel gehüllt und es hat die ganze Nacht geregnet. Das war so cool. Fast schon irgendwie magisch.

Jeder Tag hier ist besonders, die Landschaft könnte nicht vielseitiger sein.
Man hat einfach alles hier. Wir haben schon die tollsten Strände und Buchten gesehen, saftig grüne Hügellandschaften, die neuseeländischen Alpen mit 19 Gipfeln über 3000 Meter.
Seen, deren Türkis unfassbar war. Und dann wieder Felder und Wiesen, die ganz flach sind.
Regenwald. Steile Klippen und Felsen... man weiß einfach nie was hinter der nächsten Kurve auf einen wartet.

Ich bastele Euch hier noch unsere bisherige Route im Überblick zusammen:

1) Auckland ( aus zwei Nächten wurden fünf, weil das Airbnb so schön und gemütlich war )




2) Miranda ( wieder on the Road, putzen Auto gründlich und räuchern es erstmal aus )


3) Whangapoua ( Coromandel, New Chumps Beach, unfassbarer Sternenhimmel )




4) Hot Water Beach ( heiße, natürliche „Pools“ am Strand )






5) Waihi ( Cathedral Cove, Sting Ray Bay - sehen Rochen in Bucht, schlafen das erste Mal bei
    einem Ehepaar im Garten, zwei Hunde namens Rihanna und Beyoncé )







6) Matamata ( Hobbit Movie Set - lohnt sich sehr sehr!!, schlafen auf toller Farm, kalte Outdoor- 
    Dusche mit Ausblick )








7) Rotorua ( leihen uns Mountain Bikes, danach offene Knie und blaue Flecken, aber war mega )



8) Lake Taupo ( größter See Neuseelands, Waimangu Volcanic Valley, 10 Kilometer Kajak Tour
    zu Maori Carvings - schaffe es im Einzelkajak grade noch so zurück an Land )










9) Turangi ( Tongariro Alpine Crossing - der Wahnsinn )


10) National Park ( Übernachtung nach Tongariro Alpine Crossing )


11) Ohau ( Grandioses Geburtstagsfrühstück für Benni im „EAT“, Manuwata Scenic Route, 
      schlafen auf Selbstversorgerfarm bei Doug & Stephanie )





12) Wellington ( Mt. Victoria Lookout, Te Papa National Museum of New Zealand, Fähre zur 
      Südinsel, Delfine schwimmen neben uns )





13) Ward ( erste Nacht auf Südinsel, Attentat in Christchurch )


14) Waihau ( Seelöwen und mystische Strände )





15) Little River ( übernachten bei Matt & Jan, Traumhaus mit tollem Blick, dürfen mit zum Strand
      fahren mit Allradauto, toller Sonnenuntergang, selbstgebrautes Bier von den beiden,
      Summit Road nach Akaroua, Rückfahrt auf Schotterstraße entlang der Hügel - Geheimtipp! )












16) Ruapuna ( schlafen auf großer Farm, 2-jähriger Wizslá Jack total verspielt und verschmust )




17) Fairlie ( Fairlie Bakehouse )


18) Lake Tekapo ( wandern zu Observatory auf Mt. John - wundervolle 360 Grad Aussicht,
      chillen am See und Ben schafft es sogar rein ins eiskalte Wasser, werde mit Horse Trekking
      überrascht und kann nicht aufhören zu strahlen!, sehe ein Wallaby im Wald )









19) Mount Cook National Park ( mein absolutes Highlight!, Lake Pukaki, Tasman Glacier -
      auf Gletschersee treiben riesige Eisschollen, wir können unseren Augen kaum trauen und 
      sind überwältigt, klare Sicht auf Mount Cook, Hooker Valley Track, Mueller Hut - beste 
      Wanderung ever, danach Beine wie Pudding )









20) Twizel ( Übernachtung nach Mueller Hut Track )


21) Herbert ( Muskelkater meines Lebens, Oamara, Regeneration, Moeraki Boulders )


22) Portobello ( Otago Peninsula, sehen Albatrosse - weltweit einzige Festlandkolonie des Royal
      Albatross, heftiger Wind, Sandfly Bay- sehen großen Seebär und Gelbaugenpinguine!!!,
      laufen tollen 12km Track über Dünen und Schafweiden- Neuseeland pur! )













23) Dunedin ( erkunden die City, Baldwin Street - steilste Straße der Welt, grandiose Bagels bei
      „Beam me up Bagels“, ein kleines Stück Schottland Down Under )






24) Taieri ( kleiner Campground direkt am Strand, Nächte werden immer kälter )




25) Tokanui ( Nugget Point - gigantische Felsformation, Seelöwen, Florence Hill Lookout, 
      Cathedral Caves, schlafen auf großer Schaffarm bei Neville und Kary, Curio Bay - 
      sehen viele Delfine und Seelöwen im Wasser )









26) Invercargill ( schlafen zufällig auf Farm bei Bruder von Neville, unser Traumhaus,
      dürfen Schafe füttern und in Stall treiben )





27) Tuatapere ( decken uns nochmal mit Pullovern ein, McCrackens Rest, bleiben ein paar 
      Tage auf gemütlichem Campground und nutzen Regenwetter für Organisatorisches )





Neuseeland ist für uns das absolute Paradies, auch wenn es noch teurer ist als Australien.
Das meiste Geld geht für Benzin drauf, das haut richtig rein. Beim Einkaufen im Supermarkt
gilt es gute Angebote zu ergattern und eben auf manche Sachen zu verzichten. 
Kann es kaum erwarten wieder mal Guacamole zu machen, Avocados sind hier mit 6 Dollar pro Stück einfach zu teuer. 
Dafür gibt’s gerade Karotten und Brokkoli in rauen Mengen.
Essengehen ist nach wie vor immer noch zu teuer, aber ab und zu gönnen wir uns trotzdem
mal einen geilen Veggie-Burger oder ein Stück Kuchen in einem tollen Café, an schönen
Locations mangelt es hier nämlich auch nicht. Vor allem ist es meistens homemade und häufig sogar aus eigenem Anbau, unschlagbar.

Jetzt gerade sitze ich in Tuatapere und es hat ganz schön abgekühlt. Wir mussten uns mit dicken Schlafsäcken und Pullovern ausstatten, da es bei unter 5 Grad im Auto doch ziemlich frisch wird.
Hier ist jetzt Herbst und am Sonntag wird die Uhr umgestellt.
Die letzten beiden Tage hat es viel geregnet und wir haben uns auf dem Campingplatz so gut es ging warm gehalten und viele organisatorische Sachen erledigt.



Nur noch 5 Wochen, dann treffen wir zwei unserer besten Freunde auf Hawaii wieder und reisen dort zusammen von Insel zu Insel, bevor es dann nach Las Vegas geht und geheiratet wird!! Vorfreude!!! Kann es immer noch nicht glauben!!

Wünsche Euch allen eine fabelhafte Restwoche mit viel Wärme und Sonnenschein, over and out,

Eure Jule x







                                           





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