REISETAGEBUCH KAPITEL VIER.
Wir klettern in unser Zelt, welches sich auf dem Dach unseres Campervans befindet. Wir lieben es. Heute können wir uns sogar mal wieder so richtig einkuscheln und uns die Decke bis zur Nasenspitze hochziehen. Es hat abgekühlt. Immer wieder kommt eine kalter Wind durch die dünnen Netze und wir genießen es nicht zu schwitzen. Wir sind in den Blue Mountains.
Als wir zwei Stunden später wach werden, regnet es in Strömen. Dicke Tropfen trommeln auf unser Dach. Es donnert und blitzt in allen Richtungen. Ich habe Angst und ich glaube Ben auch.
Wir machen im Zelt alles dicht und überlegen einen Moment, ob es nicht besser wäre nach unten zu gehen. Und genau in diesem Moment tut es einen riesigen Schlag. Ein Knall so Laut wie eine Explosion! Ein Blitz hat nur wenige Meter neben uns eingeschlagen. Ich zittere vor Angst! Jetzt bleibt keine Zeit mehr nachzudenken, wir springen aus dem Zelt, reißen die Autotüre auf und springen sofort hinein. Meine Füße sind nass und voller Sand und Steine, aber das macht nichts, denn hier sind wir sicher. Das Gewitter tobt die ganze Nacht. Uns bleibt keine andere Wahl, als unten alles umzuräumen und im Auto zu schlafen. Aber das macht nichts, denn hier sind wir sicher.
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A U S T R A L I E N. Mein „Angst-Land“. Ich habe mich echt ganz schön verrückt gemacht. Habe aus jedem, der mir von seiner Australienreise berichtete, die schlimmsten Geschichten zum Thema Spinnen rausgequetscht. Als ob das hilfreich wäre.
Hier angekommen war ich die ersten paar Tage dementsprechend angespannt. Wenn mich bei einer Wanderung durch den Regenwald auch nur ein Blatt berührt hat, dachte ich sofort es sei eine riesige Huntsman-Spider, die auf mir gelandet ist. Beim Schreiben dieser Zeilen muss ich gerade echt schmunzeln. Schon verrückt was man sich so alles ausdenkt wenn man vor etwas Angst hat.
Naja, kurz und gut, ich lebe noch!! Heute ist Tag 49 in Australien und ich liebe das Reisen hier.
Dieses Land, dieser Kontinent, ist einfach wunderschön. Die Natur und die Landschaft, diese Vielfalt die es hier gibt, bringen mich jeden Tag aufs Neue zum Staunen. Nicht nur einmal habe ich Freudentränen verdrückt. Es gibt Momente, Ausblicke, die hauen mich einfach um.
Alles andere ist Nebensache.
Zugegeben, ich schreie immer noch wenn eine große Spinne meinen Weg kreuzt, aber es ist okay.
Ich dringe hier schließlich in ihren Lebensraum ein. Und all die zuckersüßen Wallabys, Kängurus und Koalas machen das wieder wett.
Es ist einfach grandios hier sein zu dürfen! Australien hat mich gepackt! Raubt mir immer wieder den Atem und zeigt mir wie wunderschön und wertvoll das Leben ist.
Das Camperleben ist eine völlig neue Erfahrung für uns beide. Ich kann mich nicht daran erinnern jemals in einem Auto geschlafen zu haben. In einem Zelt, ja, Zuhause im Garten. Da waren also auch keine besonderen Campingskills erforderlich:)
Als wir unseren Van bei Jucy abgeholt haben, hatten wir mehr als Glück und haben ein kostenloses Upgrade bekommen. Ich habe noch nie irgendwo ein Upgrade bekommen und so musste ich mir einen Freudenschrei im Büro von Jucy echt verkneifen!
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht wie genial es sein würde.
Denn das Auto heizt sich bei 32 Grad Außentemperatur doch ganz schön auf. Vor allem wenn es zusätzlich noch in der Sonne steht. Wirklich Hut ab, vor allen die es aushalten Nacht für Nacht in dieser Hitze zu schlafen. Immer noch dankbar für dieses Upgrade!!
Nachdem wir mindestens dreimal aufgeräumt und umgeräumt hatten, haben wir nun ein gut funktionierendes System. Alles geht zack zack und wir sind abends fertig mit allem bevor es dunkel wird und sich die blutrünstigen Moskitos auf die Jagd nach Opfern machen.
Ihr hättet uns anfangs sehen sollen, als wir spät abends beim Essen saßen und von oben bis unten verstochen wurden. Hier ticken die Uhren anders. Man steht richtig früh auf und sobald es dunkel wird schlüpfen die meisten in ihre Vans.
Jemand meinte zu mir das Camperleben würde süchtig machen. Dem kann ich jetzt voll und ganz zustimmen. Wir sind frei! Wir können hinfahren wohin auch immer wir wollen. Anhalten wo auch immer es uns gefällt. An einem Ort bleiben so lange wir wollen. Alles was wir brauchen haben wir dabei. Immer. DAS ist Freiheit!
Ich möchte ehrlich zu Euch sein, es ist null luxeriös. Nicht mal ein bisschen komfortabel. Und manchmal wünscht man sich schon ein großes, bequemes Bett und Privatsphäre. Man ist dem Wetter ausgesetzt, teilt sich täglich das Bad mit fremden Menschen und lebt auf engstem Raum.
Aber es fühlt sich verdammt gut an!
Auch ganz anders ist es jeden Tag draußen zu sein. Im Endeffekt schlafen wir ja auch draußen, etwas abgeschirmt durch ein Netz.
Frische Luft, Natur und ganz ganz viel Bewegung, das alles haben wir jeden Tag.
Zuhause ging es oft nur ins Büro und wieder nach Hause. Wir hatten ja gefühlt keine Zeit und tausend andere Dinge zu erledigen als noch einen langen Spaziergang zu machen.
Jetzt haben wir die Zeit und nutzen sie. Wandern war ja schon immer total unser Ding und hier gibt es einen tollen Track nach dem anderen. Ich bin immer noch froh, das ich das Mehr an Gewicht und den Platzverlust durch meine Wanderschuhe im Rucksack in Kauf genommen habe.
Das viele Draußen sein und in Bewegung sein verändert einen. Es verändert mich. Ich fühle mich fitter denn je, ausgeglichen und gesund.
Die Sonnenstrahlen auf meiner Haut und der Wind der am Meer durch meine Haare weht- ich liebe es!
Und momentan kann ich mir nicht vorstellen wieder drinnen zu sein. Wieder in einer Wohnung zu sein, so sehr ich unsere auch ganz oft vermisse. Wieder an Uhrzeiten gebunden zu sein. Das Meer nicht mehr um mich zu haben. Und diese unendliche Weite und die Ruhe die sie ausstrahlt nicht mehr zu sehen.
Und momentan kann ich mir nicht vorstellen wieder drinnen zu sein. Wieder in einer Wohnung zu sein, so sehr ich unsere auch ganz oft vermisse. Wieder an Uhrzeiten gebunden zu sein. Das Meer nicht mehr um mich zu haben. Und diese unendliche Weite und die Ruhe die sie ausstrahlt nicht mehr zu sehen.
Zum Glück haben wir noch eine ganze Weile vor uns und noch nicht mal die Hälfte unserer Reise hinter uns.
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Hier sind wir allerdings schon eine Menge gefahren, um genau zu sein schon knapp 5300 Kilometer. Aktuell sind wir am Wallaga Lake, sogar Sydney liegt schon hinter uns.
Unsere bisherige Route für Euch im Überblick:
1) Cairns ( starten mit ganz viel Regen und einem Zyklon namens Owen )
1) Cairns ( starten mit ganz viel Regen und einem Zyklon namens Owen )
2) Port Douglas ( Wildlife Habitat und Strand )
4) Milla Milla ( Milla Milla Falls )
5) Townsville ( Shoppingcenter und Strand )
6) Farleigh ( Queens Beach, Horseshoe Bay, eiskalt duschen in dunkler Wellblechhütte,
7) St. Lawrence ( Blue Rock Beach, Wetlands )
8) Agnes Water / 1770 ( lässiges Hostel, Strand, Pool, Lookout )
9) Tin Can Bay ( Botanischer Garten Bundaberg, Rainbow Beach und Carlo Sand Blow,
Delfine am Strand )
11) Cooroy ( Stop Over )
12) Maleny ( Montville, Kondalilla Falls, Gardener Falls )
14) Brisbane ( Silvester )
15) Springbrook National Park ( Tamborine National Park, Cedar Creek Falls, Curtis Falls,
Canyon Lookout, Twin Falls Track )
16) Gold Coast ( Surfers Paradise, Strand, Strand, Strand )
18) Byron Bay / Ballina ( Strand, sehen einen Wal )
21) Coffs Harbour ( Strand, Strand, Strand, übernachten auf Sportplatz und duschen in
Kabine der Rugbymannschaft )
24) Morissete ( Newcastle, Stop Over und Erholung )
28) Bulli ( Sea Cliff Bridge, Strand )
31) Wallaga Lake ( Chillen, Australia Day )
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Oft sind wir mehrere Tage an einem Ort, das ist das Schöne daran wenn man frei und an keine Termine gebunden ist. Ins Trödeln wollen wir aber trotzdem nicht kommen, damit wir am Schluss nicht in Zeitdruck kommen und jeden Stopp genießen können. Auch wenn es schwer ist weiter zu fahren, wenn man sich irgendwo besonders wohl fühlt.
Jedoch ist hier fast jeder Tag ein Highlight. Die Landschaften sind so unterschiedlich. Jeden Tag gibt es etwas zu erleben. Manchmal weiß ich gar nicht wie wir das alles jemals verarbeiten sollen.
Auch die Einheimischen, die Aussies sind so unheimlich nett. Wir bekommen immer super gute Tipps. Mal wieder auch Tipps die nicht im Reiseführer zu finden sind. Liegt vielleicht auch ein bisschen an der auffälligen Lackierung unseres Vans, das wir so oft angequatscht werden:)
Was die Campgrounds angeht, gehören wir wohl eher zur Kategorie „Luxuscamper“. Ich kann mich einfach nicht dazu überwinden irgendwo schwarz zu Campen. Die Strafen sind einfach zu hoch wenn man erwischt wird und so wie ich mich kenne, würde ich sowieso die ganze Nacht kein Auge zumachen.
Und ehrlich gesagt brauche ich abends einfach eine Dusche, denke ich zumindest. Ganz egal ob kalt oder warm. Hauptsache ich kann die Sonnencreme abschrubben, mich mit einer herrlich duftenden Seife einschäumen und frisch geduscht in unser Zelt schlüpfen. Klar, durch das viele Wandern und Co. und die heißen Temperaturen schwitzen wir natürlich auch dementsprechend.
(Fun Fact: Einen Tag nachdem ich diese Zeilen getippt hatte, waren wir auf einem kostenlosen Campground, mitten in der Wildnis. Es gab Toiletten, aber KEINE Duschen. Und tatsächlich war es nullo Problemo. Wir haben uns einfach gegenseitig mit unserem Wasserkanister „abgeduscht“. Ihr seht, es geht alles, irgendwie.)
Heute ist der 26. Januar 2019. Australia Day. Ein großer Nationalfeiertag hier in Australien.
Ich sitze gerade in meinem Campingstuhl und um mich herum klopft und raschelt es. Die Einheimischen sind mit den Aufbauarbeiten in den letzten Zügen. Einige nehmen gleich mehrere Stellplätze in Beschlag und haben gefühlt ihren gesamten Haushalt dabei.
Die Australier lieben Camping. Sie sind top ausgerüstet, die Autos bis zum Dach vollgeladen mit allem möglichen Kram und wenn es ums Thema BBQ geht sind sie ganz vorn mit dabei. Da wird auch gerne mal der große Webergrill durchs halbe Land gefahren.
Ich liebe es dieses Treiben zu beobachten und bin auch manchmal etwas neidisch wenn ich sehe welche Köstlichkeiten aufgetischt werden.
Ja, es ist ein völlig anderes Lebensgefühl. Ein anderer Lebensstil, hier in Down Under. Man ist verbunden mit der Natur. Das Leben spielt sich draußen ab.
Drei Wochen liegen nun noch vor uns, bevor ein neues Abenteuer beginnt.
Australien, ich werde dich vermissen.
Jule x


































































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